Wie werden Schimmelpilze in Wohnungen beseitigt?

Wie werden Schimmelpilze in Wohnungen beseitigt?

Zuerst müssen die Ursachen ermittelt werden

Bevor eine Beseitigung von Schimmelpilzen in Wohnungen durchgeführt werden soll, ist es zwingend erforderlich, zuerst die Ursachen her­auszufinden und diese zu beseitigen.

Hierbei können zum einen bauliche Maßnahmen erforderlich sein, wie zum Beispiel die Verbesserung des Wärmeschutzes von Außenbauteilen. Zusätzlich, oder in vielen Fällen auch als alleinige Maßnahme ausreichend, kann eine Umstellung der Nut­zungsgewohnheiten durch die Bewohner notwendig sein. Hierunter fallen Maßnahmen zur ausreichenden Lüftung und Beheizung der Wohnung.

Erst wenn die Ursachen eindeutig geklärt sind, kann als zweiter Schritt die dau­erhafte Beseitigung der Schimmelpilzbildungen erfolgen. Eine Beseitigung der Schimmelpilzbildungen ohne auch die Ursache zu beseitigen, bringt nur einen scheinbaren und kurzfristigen Erfolg. Sie sind als provisorische Maßnahmen allenfalls dann sinnvoll, wenn die Durchführung von dauerhaften Instandsetzungsmaßnahmen nicht sofort durchgeführt werden kann.

 

Was sind mögliche Ursachen von Schimmelpilzbildungen in Wohnungen?

Die Ursachen können in der Bausubstanz liegen

  • Unzureichender Wärmeschutz von Bauteilen.
  • Wärmebrücken.
  • Fehlende oder fehlerhafte Abdichtung von Dächern, Balkonen, Keller oder an Erdreich angrenzende Räume.
  • Undichte Heizungs- oder Sanitärrohrleitungen.
  • Unzureichender Wetterschutz des Außenbauteils.
  • Fehler an der Luftdichtheitsschicht.

 

Auch der Nutzer kann die Schimmelpilze verursacht haben

  • Wasserschäden durch auslaufende Waschmaschinen oder Geschirrspülmaschinen.
  • Auslaufendes Wasser beim Baden oder Duschen.
  • Unzureichende Beheizung der Wohnung oder einzelner Räume der Wohnung.
  • Unzureichende Belüftung der Wohnung.
  • Wäschetrocknung in der Wohnung.
  • Ungünstige Stellung von Möbeln ohne ausreichende Hinterlüftung.
  • Temperierung kalter Räume mit warmer Raumluft aus der Wohnung.

 

 

Provisorische Maßnahmen zur Bekämpfung von Schimmel

Zur provisorischen Bekämpfung von Schimmelpilzbildungen kann eine Desinfizierung der be­fallenen Stellen erfolgen.

Desinfizierende Maßnahmen sind jedoch nur als zeitlich begrenztes Provisorium zu betrachten. Sobald wie möglich muss eine fachgerechte Sanierung erfolgen. Zur provisorischen Desinfektion können beispielsweise folgende Wirkstoffe verwendet werden:

  • 80-prozentige Alkohollösung
  • 5- bis 10-prozentige Wasserstoffperoxidlösung, gegebenenfalls mit Zusatz von Silberionen
  • Chlorbleichlauge

Bei der Anwendung der Desinfektionslösung muss beachtet werden, dass je nach Werkstoff eine Gesundheitsgefährdung bei der Ausführung entstehen kann.

Es können in Einzelfällen auch fungizid wirkende Stoffe eingesetzt werden, wobei jedoch be­achtet werden muss, dass diese Stoffe auch die Gesundheit der Bewohner in Innenräumen beeinträchtigen können. In jedem Fall müssen die Angaben des Herstellers beachtet werden.

Auf die Anwendung von Essig sollte verzichtet werden, da kalkhaltige Baustoffe oder Putze die Essigsäure neutralisieren können und damit wirkungslos machen.

Zusätzlich sollten die befallenen Stellen gezielt belüftet und beheizt werden, damit dort der Nachschub an Feuchtigkeit unterbrochen oder mindestens reduziert wird. Auf alle Fälle müssen zu einem späteren Zeitpunkt dauerhafte Maßnahmen zur Beseitigung der Schimmelpilzbildun­gen durchgeführt werden, sobald die Ursachen der Schimmelpilzbildungen beseitigt worden sind.

 

Veränderung der Nutzungsgewohnheiten

Gleichzeitig mit der Durchführung von Maßnahmen zur Schimmelsanierung sollten auch die eigenen Nutzungsgewohnheiten kritisch hinterfragt werden. Insbesondere muss darauf geachtet werden, dass eine ausreichende Heizung und Lüftung der jeweiligen Räume durchgeführt wird.

Meist ist es hilfreich, wenn der Erfolg dieser Maßnahmen mit einem Thermohygrometer überprüft wird. Mit einem solchen Messgerät kann sowohl die Lufttemperatur als auch die relative Luftfeuchte überprüft werden. Die relative Luftfeuchte sollte im Mittel über eine längere Zeitperiode um 50 % liegen und 60 % nicht übersteigen.

Weiter sollte auch die Möblierung der Wohnung überprüft werden. Möglicherweise kann bereits eine Veränderung der Möbelaufstellung die Situation verbessern.

 

Dauerhafte Maßnahmen zur Beseitigung von Schimmelpilzen

Dauerhafte Maßnahmen zur Beseitigung von aufgetretenen Schimmelpilzen sollten nur dann eingesetzt werden, wenn die Ursache der Schimmelpilzbildungen beseitigt worden ist. In diesem Fall müssen unter Anderem folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Entfernen und Ersetzen von befallenen porösen Baustoffen, zum Beispiel müssen Tapeten und Putz entfernt und neu aufgebracht werden. Die entfernten Baustoffe müssen entsorgt werden. Bei geringen Mengen ist die Entsorgung über den Hausmüll ausreichend, ansonsten können Schuttstoffe auch auf eine Baustoffdeponie abgefahren werden.
  • Befallene Fugendichtstoffe im Badezimmer oder in der Küche müssen ersetzt werden.
  • Baustoffe mit glatten Oberflächen können abgewaschen und desinfiziert werden.
  • Möbelstücke mit glatten Oberflächen können ebenfalls abgewaschen und desinfiziert wer­den.
  • Bei Möbelstücken mit textilen Oberflächen oder Polsterungen muss geprüft werden, ob eine Reinigung durchgeführt werden kann. Falls dies nicht möglich ist, müssen Möbelstücke, die einen intensiven Befall mit Schimmelpilzen aufweisen, entsorgt werden.
  • Der bei den Sanierungsmaßnahmen entstehende Staub muss mit einem Staubsauger entfernt werden. Der Staubsaugerbeutel sollte anschließend im Hausmüll entsorgt werden.

Bei allen Arbeiten muss damit gerechnet werden, dass Sporen oder Schimmelpilzteile in der Wohnung freigesetzt und verteilt werden. Aus diesem Grunde sollten folgende Hinweise be­achtet werden:

  • Personen mit Allergien sollten nicht mit der Beseitigung von Schimmelpilzbildungen be­auftragt werden.
  • Personen, die Instandsetzungsarbeiten bei intensivem Schimmelpilzbefall durchführen, soll­ten Arbeitsschutzmaßnahmen ergreifen. Hierzu gehören insbesondere Mundschutz, Schutz­brille und Arbeitsschutzhandschuhe.
  • Die zu behandelnden Bereiche sollten gegebenenfalls durch provisorische Trennwände mit Folien von den übrigen Bereichen abgetrennt werden, damit die Schimmelpilzbildungen nicht durch die Sanierungsmaßnahmen in andere Räume verschleppt werden. Diese Maß­nahmen dienen auch dazu, die Bewohner der betroffenen Wohnung, insbesondere Allergiker oder immungeschwächte Personen, während der Sanierung zu schützen.
  • Vor der Durchführung der Instandsetzungsarbeiten sollten Lebensmittel, Kleidung, Kinder­spielzeug, Pflanzen und andere bewegliche Gegenstände aus dem betroffenen Raum entfernt werden.
  • Nach Beendigung der Maßnahmen sollte in der gesamten Wohnung eine Feinreinigung durchgeführt werden.
  • Bei den Instandsetzungsarbeiten müssen die einschlägigen Arbeitsschutzvorschriften be­achtet werden.
  • Erfahrungsgemäß ist es bei intensivem Befall empfehlenswert, eine Fachfirma mit der Beseitigung der Schäden zu beauftragen.

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