Schimmel in einem nicht gedämmten Dachgeschoss

Allgemeines

An einem Gebäude mit insgesamt zwei Dachgeschossen wurden im Zuge einer Altbausanierung Umbaumaßnahmen durchgeführt. Das obere zweite Dachgeschoss war nicht wärmegedämmt und auch nicht genutzt. Hierbei handelte es sich um einen unbeheizten und ungedämmten Spitzboden.

Das erste Dachgeschoss wurde als Wohnraum umgebaut.

Einige Zeit nach der Sanierung hat man an dem Gebäude im 2. Dachgeschoss Feuchtigkeitserscheinungen in Form von Schimmelpilzbildungen festgestellt.

Da die Ursachen der Feuchtigkeitserscheinungen nicht bekannt waren, wurde ich vom Bauherrn mit der Untersuchung des Gebäudes beauftragt.

 

Augenscheinliche Befunde

Im Zuge meines Ortstermins habe ich folgende Befunde festgestellt:

  • Die Holzkonstruktion des Daches war großflächig von Schimmelpilzbildungen befallen. Insbesondere waren die Schimmelpilzbildungen im mittleren Dachraum, im Bereich des dort vorhandenen Kamins aufgetreten.
  • Der gesamte Dachraum wies an den Oberseiten der Dachsparren eine Unterspannbahn auf. An den Überlappungen war die Unterspannbahn dicht verklebt.
  • Die Unterspannbahn hatte man am Dachfirst über die Dachspitze hinweg geführt. Eine Entlüftungsöffnung war am Dachfirst nicht hergestellt worden.
  • Jeweils an beiden Giebelwänden waren Fenster eingebaut worden. Diese Fenster konnten von Hand geöffnet werden. Fensterfalzlüfter oder sonstige Lüftungsöffnungen am Fenster oder in der Außenwand, mit denen eine permanente Lüftung des Dachgeschosses erzeugt werden könnte, lagen nicht vor.
  • Laut Angabe beim Ortstermin war außerdem ein Kamin, welcher unter anderem auch für Installationszwecke verwendet worden war, an der Oberseite nicht verschlossen gewesen. Dies bedeutet, dass eine direkte Verbindung zwischen den beheizten Geschossen nach oben zum unbeheizten zweiten Dachgeschoss vorlag. Hier muss damit gerechnet werden, dass an Undichtheiten der Luftdichtheitsschicht auch warme und feuchte Luft nach oben in das unbeheizte zweite Dachgeschoss geleitet wird.
  • Das Dachgeschoss war durch eine Tür und einen Treppenaufgang zugänglich. Auch hier muss damit gerechnet werden, dass an Leckagen der Tür warmfeuchte Luft in das unbeheizte Dachgeschoss hinein transportiert wird.
  • Der Anschluss der Dampfsperre der Trenndecke zwischen dem zweiten und dem ersten Dachgeschoss an die Dampfsperre des Daches war nicht einsehbar. – Daraufhin habe ich mit der Hand etwa 1 m zwischen den Sparren und der Wärmedämmung nach unten gefasst. Bis zu dieser Tiefe lag keine Dampfsperre im Bereich der hochgeführten Wärmedämmung vor.

 

Untersuchungen der Schimmelpilzbildungen

Bei den Untersuchungen des Ortstermins war zu erkennen, dass die Holzkonstruktion des Daches von Pilzbildungen befallen war. Es war aber rein augenscheinlich nicht zu erkennen, welche Art der Pilzbildungen vorhanden war. Insbesondere kann ohne Laboruntersuchungen nicht beurteilt werden, ob die Schimmelpilzbildungen gesundheitsschädliche Stoffe absondern und ob holzzerstörende Pilzbildungen, insbesondere der sogenannte “Echte Hausschwamm“, vorliegt.

Aus diesem Grunde habe ich während des Ortstermins eine Probe aus einem Holzsparren entnommen, der von intensiven Pilzbildungen befallenen war. Diese Probe wurde beim Ortstermin unmittelbar nach der Entnahme verpackt und noch am gleichen Tage zur Untersuchung in ein Labor geschickt, welches auf die Untersuchung von Schimmelpilzen und Holzpilzen spezialisiert ist.

An der Probe wurden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Untersuchung der koloniebildenden Einheiten (KBE).
  • Mikroskopische Analyse der Gesamtzellzahl (Biomasse) und die biochemische Aktivität der Biomasse.
  • Mikroskopische und molekularbiologische Untersuchungen mit DNA-Extraktion im Hinblick auf das Vorhandensein des Holzpilzes „Serpula lacrymans“ (Echter Hausschwamm).

Auf der Grundlage der Laboruntersuchungen zeigten sich folgende Ergebnisse:

     Untersuchung der Schimmelpilzbildungen:

  • Die Untersuchungen ergaben eine erhöhte Anzahl an Mikroorganismen.
  • Es wurden potentiell toxinbildende Mikroorganismen nachgewiesen.
  • Es wurden Mikroorganismen nachgewiesen, die starke Geruchstoffe bilden können.
  • Eine gesundheitliche Beeinflussung durch die Schimmelpilzbildungen ist nicht auszuschließen. Typische Symptome sind Nasen- und Nebenhölenprobleme, Kopfschmerzen und Infektanfälligkeit.

     Untersuchung auf den Echten Hausschwamm:

  • Ein Befall durch den Echten Hausschwamm lag nicht vor.

 

Ursache der Schimmelpilzbildungen

Meine Untersuchungen zeigten, dass das unbeheizte Dachgeschoss keine ausreichende Lüftungsmöglichkeit aufwies. Aufgrund von Luftundichtigkeiten zwischen dem beheizten ersten Dachgeschoss und dem unbeheizten zweiten Dachgeschoss konnte feuchtwarme Luft in das unbeheizte und ungedämmte Dachgeschoss hinein transportiert werden. Da diese Feuchtigkeit aufgrund fehlender Lüftungsmöglichkeiten nicht nach außen weggelüftet werden konnte, kam es insbesondere bei Temperaturschwankungen im Dachraum zu Tauwasserbildungen an der Holzkonstruktion. Dieser Effekt führte dazu, dass die Holzkonstruktion an der Oberfläche einer Feuchtebelastung ausgesetzt war und dadurch günstige Bedingungen für Schimmelpilzbildungen entstanden. Wenn diese Bedingungen über längere Zeit vorliegen, dann bilden sich Schimmelpilze oder Holzpilze auf den Holzoberflächen aus.

 

Anforderungen an die Lüftung von unbeheizten Spitzböden

Aus dem vom deutschen Dachdeckerhandwerk herausgegebenen Merkblatt „Wärmeschutz bei Dach und Wand“ geht folgende Anforderung aus dem Abschnitt Planungshinweise hervor:

Ungedämmte Spitzböden sind zu belüften, zum Beispiel durch Öffnungen im Firstbereich oder durch ausreichende Querlüftung.

Diese Anforderung war bereits in der Ausgabe 2004 dieses Merkblatts so aufgeführt und zählt zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Im vorliegenden Fall war das ungedämmte und unbeheizte Dachgeschoss aber ohne permanente Lüftungsmöglichkeit hergestellt worden und wich somit von den Anforderungen dieses Merkblatts ab.

Fenster, welche eine Bedienung durch Personen erfordern, sind für ungedämmte und ungenutzte Spitzböden zur Lüftung nicht ausreichend. Erfahrungsgemäß werden solche Fenster in Spitzböden nicht oder nur sehr selten geöffnet, so dass hierdurch keine ausreichende Lüftung zur Verhinderung von Schimmelpilzbildungen erzielt wird.

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