Schäden an einem Mosaikfliesenbelag in Duschräumen

Situation:

In einem stark frequentierten öffentlichen Duschraum waren Ablösungen des Mosaikfliesenbelags aufgetreten. Die dahinter liegende Abdichtung war noch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Zum Schutz der Abdichtung musste jedoch die Ursache der Ablösungen der Mosaikfliesen festgestellt und ein Instandsetzungskonzept entwickelt werden.

 

Lokal waren Abplatzungen der Fliesen aufgetreten
Lokal waren Abplatzungen der Fliesen aufgetreten

 

Befunde:

Bei meinen Untersuchungen im Bereich des Duschraums stellte ich folgendes fest:

 

Weiße Flecken in den grauen Fliesenfugen

 

Die Verfugung wies weiße Stellen auf.
Die Verfugung wies weiße Stellen auf.

 

Diese Erscheinungen waren in unregelmäßigen Abständen und Größen an allen Wandflächen der Herrendusche aufgetreten.

Solche Flecken treten dann auf, wenn vor der Verfugung des Fliesenbelags der Fugenraum nicht vollständig vom Fliesenkleber freigeräumt wird. In diesem Fall füllt der weiße Fliesenkleber in Teilbereichen noch den Fugenraum. Das graue Verfugungsmaterial kann den Fliesenkleber nicht verdrängen und überdeckt somit lokal nur mit einer geringen Schichtdicke den weißen Fliesenkleber. – Wenn nun durch Reinigungsvorgänge oder durch sonstige mechanische oder chemische Belastungen der Fliesenoberfläche das Verfugungsmaterial lokal an der Oberfläche abgetragen wird, dann kann der weiße Fliesenkleber in der Fuge sichtbar werden. Hierdurch entstehen weiße Flecken in den Fugen zwischen den Mosaikfliesen. Somit liegt die Ursache der weißen Flecken in einer nicht fachgerechten Verfugung der Mosaikfliesen.

 

Lokale Ablösungen des Verfugungsmaterials

An einigen Stellen hatte sich der Fugenwerkstoff lokal aus den Fugen des Mosaikfliesenbelags herausgelöst, so dass an diesen Stellen Löcher in der Fuge vorlagen. Hier war der Fugenwerkstoff lokal nicht fachgerecht in die Fuge eingebracht worden.

 

Der Fugenmörtel wieß Löcher auf.
Der Fugenmörtel wieß Löcher auf.

 

Risse in den Fugen

Im Bereich der Fugen lagen teilweise Risse vor. Augenscheinlich handelte es sich hierbei um eine nicht fachgerechte Verarbeitung des Fugenmaterials.

 

Risse im Fugenbereich der Mosaikfliesen
Risse im Fugenbereich der Mosaikfliesen

 

Offene Stellen und Löcher im Fugenwerkstoff

An den offenen Stellen und Löchern im Fugenwerkstoff der Mosaikfliesen kann Wasser und auch Reinigungsmittel an die Rückseite der Fliesen gelangen und dort längere Zeit auf den Fliesenkleber einwirken. Dieser Vorgang kann zu einer lokalen Beeinträchtigung der Haftung der Mosaikfliesen führen.

 

Öffnungsstelle zur Untersuchung des Fliesenbelags.
Öffnungsstelle zur Untersuchung des Fliesenbelags.

 

Abtrag des Fugenwerkstoffes durch Reinigungsmittel

Weiterhin habe ich den unterschiedlichen Abtrag des Fugenmaterials in den Fliesenfugen untersucht. Meine Untersuchungen ergaben, dass in den Wandbereichen unterhalb der Duscharmaturen auf den unteren zwei Dritteln der Wandhöhe folgende Abtragungsraten vorlagen:

  • Maximal:       1,5 mm bis 2,2 mm
  • Im Mittel:       0,9 mm bis 1,2 mm

 

Im Duschbereich lag ein erhöhter Abtrag des Fugenmörtels vor.
Im Duschbereich lag ein erhöhter Abtrag des Fugenmörtels vor.

 

Im Vergleich hierzu lagen im Bereich des oberen Wanddrittels folgende Werte vor:

  • Maximal:       0,5 mm bis 0,6 mm
  • Im Mittel:       0,4 mm bis 0,5 mm

 

Auch im Bereich des Zugangs zum Duschraum lagen niedrige Abtragungswerte vor. Hier habe ich folgende Werte festgestellt:

  • Maximal:       0,5 mm
  • Im Mittel:       0,4 mm

 

Meine Untersuchungen zeigten somit, dass diejenigen Bereiche, die durch die Nutzung intensiv beansprucht wurden und deshalb auch intensiv gereinigt werden müssen, eine etwa drei- bis vierfach höhere Abtragungsrate des Fugenmaterials aufwiesen als die oberen Wandbereiche oder die Wandbereiche im Zugang zum Duschraum.

Solche Abtragungsraten entstehen typischerweise durch säurehaltige Reinigungsmittel, welche zur Beseitigung von Kalkablagerungen verwendet werden. Solche Reinigungsmittel entfernen jedoch nicht nur die Kalkablagerungen, sondern greifen bei längerer Einwirkzeit auch zementhaltige Werkstoffe an. Da es sich bei dem eingesetzten Verfugungswerkstoff um einen zementhaltigen Werkstoff handelte, konnte dann im Zuge der Reinigung auch der Fugenmörtel angegriffen werden, so dass hier im Laufe der Zeit eine Reduzierung der Dicke des Fugenmörtels im Querschnitt entstand.

Da die oberen Wandbereiche sowie die Wandbereiche im Zugangsbereich keine oder nur eine geringe Wasserbelastung erfahren, treten hier auch nur geringe oder keine Kalkablagerungen auf. Aufgrund dessen müssen diese Fliesenbereiche wesentlich weniger gereinigt werden, und säurehaltige Reinigungsmittel sind in diesen Bereichen nicht notwendig oder werden nur in größeren Zeitabständen eingesetzt. Dies führt dazu, dass diese Wandbereiche nur geringe Abtragungsraten des Verfugungsmaterials aufweisen.

 

Verunreinigung des Fugenwerkstoffs durch Fasern

Aus dem Verfugungswerkstoff der Mosaikfliesen wurden von mir Proben entnommen und im Labor mit Hilfe eines Mikroskops untersucht. Hierbei stellte ich fest, dass im Fugenwerkstoff Fasern enthalten waren. Diese Fasern lagen unregelmäßig verteilt im Querschnitt vor.

 

Im Fugenmörtel lagen Fasern vor.
Im Fugenmörtel lagen Fasern vor.

 

Da der Fugenwerkstoff selber keine Fasern aufweist, können diese Fasern beispielsweise durch eine Verschmutzung des Fugenwerkstoffes mit Fremdmaterial entstanden sein.

Weiterhin ist es auch möglich, dass das als Verarbeitungshilfe auf den Mosaikfliesen angebrachte Papier vor der Verfugung nicht vollständig entfernt worden ist. In diesem Fall können Reste des Papiers als Papierfasern sowie Kleberreste bei der Verfugung der Mosaikfliesen mit in die Fugen eingearbeitet worden sein. Hierdurch können lokal Bereiche entstehen, an denen Papierfasern in den Fugen vorliegen. Diese Fasern führen dann bereichsweise zu einer Schwächung des Fugenverbunds, wodurch Ablösungen der Mosaikfliesen begünstigt werden.

 

Meine Untersuchungen ergaben zusammengefasst, dass mehrere unterschiedliche Ursachen zu den Schäden am Mosaikfliesenbelag geführt hatten:

Verarbeitungsbedingte Schäden:

  • Offene Spalte an schmalen Fliesenfugen.
  • Lokale Bereiche mit Löchern in den Fliesenfugen.
  • Risse im Bereich der Fliesenfugen.
  • Fasern im Fugenwerkstoff durch Fremdmaterial.

Nutzungsbedingte Schäden durch die Reinigung:

  • Abtrag des Verfugungswerkstoffes der Mosaikfliesen durch Reinigungsvorgänge.

 

Folgerungen für die Praxis:

Bei der Verarbeitung eines Mosaikfliesenbelages muss hinsichtlich der Verfugung sorgfältig und nach den einschlägigen Fachregeln vorgegangen werden.

Hierbei ist es erforderlich, eine Fachfirma mit diesen Arbeiten zu betrauen und entsprechend zu überwachen.

Weiterhin müssen die Art der Reinigung des Mosaikfliesenbelags sowie die verwendeten Reinigungsmittel auf den Werkstoff der Fliesenfugen abgestimmt werden.

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