Feuchtigkeit erzeugt Schimmelpilze, also Wasser weg vom Bau

Schimmelpilze in Wohnungen stellen immer wieder ein heiß diskutiertes Thema da. Häufig sind sie auch Ursache von langwierigen Streitfällen und landen dann letztendlich vor Gericht. Dieses Problem tritt sowohl bei Neubauten als auch bei Altbauten immer wieder in Erscheinung.
Von Schimmelpilzbildungen können prinzipiell alle Räume in einer Wohnung betroffen sein. Überwiegend treten sie jedoch in Schlafzimmern, Badezimmern oder in Küchen auf. Jedes Mal stellt sich dann die Frage nach dem Grund dieser Erscheinungen. Oft ist es erst nach aufwendigen Untersuchungen möglich, die Ursachen einzugrenzen. Häufig stellt sich auch heraus, dass nicht eine Ursache allein maßgebend war, sondern sich mehrere Ursachen überlagern.

Alle Fälle haben jedoch gemeinsam, dass Feuchtigkeit längere Zeit auf die Bausubstanz eingewirkt haben muss. Diese Feuchtigkeit ist neben anderen Faktoren die wichtigste Bedingung für das Auftreten von Schimmelpilzen. Somit zeigt sich, dass der alte Spruch

Wasser weg vom Bau
,

nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Schematische Darstellung an welchen Stellen in einem Gebäude Feuchtigkeit auftreten kann.
Schematische Darstellung an welchen Stellen in einem Gebäude Feuchtigkeit auftreten kann.

In der rechts aufgeführten Abbildung 1 ist schematisch in einer Skizze dargestellt, an welchen Stellen beispielsweise Feuchtigkeit in einem Gebäude auftreten kann.

Wenn die Abdichtung im Fußboden fehlt:

Tritt an der Unterseite eines Fußbodens oder einer Betonbodenplatte ein Wasserangriff auf, dann kann eine Abdichtung erforderlich werden. Wenn diese Abdichtung fehlt, beschädigt ist oder nicht fachgerecht hergestellt wurde, dann muss mit Was¬sereintritten in das Gebäude gerechnet werden. Insbesondere in Gebieten mit Hangschichtenwasser oder bei Grundwasser wird das Fehlen einer Abdichtung zum großen Problem.

Fehlende Abdichtung von Wänden gegen Erdreich

An der Außenseite von Wänden, die an Erdreich grenzen, sind ebenfalls Abdichtungsmaßnahmen erforderlich. Hierunter fallen sowohl horizontale als auch vertikale Wandabdichtungen. Wenn diese Abdichtungen fehlen, beschädigt sind oder nicht fachgerecht hergestellt wurden, dann kann von der Erdreichseite her Wasser in das Haus eindringen.

Bei Rissen oder Beschädigungen am Außenputz hat Wasser leichtes Spiel

Weiterhin können Schäden am Außenputz, wie zum Beispiel bei Rissen oder Putzabplatzungen, den Witterungsschutz einer Außenwand verschlechtern, sodass die Wandkonstruktion durchfeuchtet werden kann.
Schäden am Anstrich des Außenputzes, damit sind Anstrichabplatzungen oder eine zu geringe Schichtdicke gemeint, können ebenfalls den Regenschutz einer Außenwand verschlechtern und die Ursache von Durchfeuchtungen darstellen.
In solchen Fällen werden die Außenwände insbesondere durch Schlagregen, also von Regen unter Windeinwirkung beansprucht, und es können sich Feuchteschäden bilden.

Wärmebrücken führen zu Schimmelpilzbildungen

Eine durchlaufende Balkonplatte ohne Wärmedämmung und ohne thermische Trennung stellt eine Wärmebrücke dar, die zu Tauwasser- und Schimmelpilzbildungen an der inneren Kante zwischen der Decken und der Wand führen kann.
In die gleiche Kategorie fallen auch unzureichend gedämmte und überstehende Deckenplatten, Attiken oder Brüstungen.
Weitere Wärmebrücken können an durchlaufenden Stützen aus Beton oder Stahl, an Fensterleibungen oder auch an schlecht gedämmten Wandecken bestehen.
Solche Wärmebrücken vermindern die Oberflächentemperatur an der Innenseite von Bauteilen, so dass dort mit Tauwasserbildung oder hoher Luftfeuchte gerechnet werden muss und Schimmelpilzbildungen leichtes Spiel haben.

Undichtheiten an Heizungsrohrleitungen

Undichtheiten an Heizungsrohren können zum Beispiel durch Fehler bei der handwerklichen Verarbeitung der Rohre auf der Baustelle oder durch Korrosion im Laufe der Zeit verursacht werden. In diesem Fall kann Heizungswasser auslaufen, und im Haus Feuchtigkeitsschäden verursachen.

Schlecht gedämmte Rollladenkästen

Schlecht gedämmte Rollladenkästen stellen eine häufige Wärmebrücke dar und können zu Tauwasser- und Schimmelpilzbildungen an der Innenseite führen. Insbesondere bei älteren Gebäuden muss mit solchen Erscheinungen gerechnet werden.

Gebäude muss luftdicht sein

Häuser sollten dicht gegen Luftzugerscheinungen sein. Hierfür werden insbesondere in Dächern oft Kunststofffolien verwendet, die raumseitig der Wärmedämmung eingebaut werden.
Häufige Fehler an einer solchen Luftdichtheitsfolie sind beispielsweise undichte Anschlüsse, Überlappungen oder Löcher. An solchen Stellen kann dann warme Luft aus dem Inneren der Wohnung in das Dach eindringen. Im Verlauf dieses Vorgangs kühlt sich die Luft ab, wenn außen eine niedrigere Lufttemperatur als innen vorliegt. Kalte Luft weist ein geringeres Aufnahmevermögen für Feuchte auf, so dass überschüssiges Wasser ausfallen und innerhalb des Bauteils zu Tauwasserschäden oder Schimmelpilzbildungen führen kann. Solche Schimmelpilzbildungen bleiben oft lange unentdeckt, da sie innerhalb der Konstruktion auftreten und nicht sichtbar sind.

Vorsicht bei Undichtheiten an der Dacheindeckung

An der Dacheindeckung eines Gebäudes können durch Fehler bei der Herstellung oder durch Beschädigungen, zum Beispiel während eines Sturms, Undichtheiten verursacht werden, sodass der Regenschutz nicht mehr sichergestellt ist und Wasser in das Dach eintreten kann. Insbesondere in Kombination mit Schlagregen und den im Zuge des Klimawandels immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen, muss hierbei mit Wassereintritten gerechnet werden.

Auch Sanitärrohrleitungen können undicht werden

Undichtheiten an Sanitärrohrleitungen, hierzu zählen Warmwasser-, Kaltwasser-, und Abwasserrohre, können zum Beispiel durch Fehler bei der Verarbeitung oder durch Korrosion verursacht werden. In diesem Fall wird Frisch- oder Abwasser in die Baukonstruktion eindringen und Feuchtigkeitsschäden hervorrufen.
Auch im Zuge von Umbauarbeiten oder Renovierungsarbeiten werden oft Rohrleitungen beschädigt, so dass Wassereintritte in das Gebäude entstehen.

Deckenstirnseiten müssen gedämmt sein

Unzureichend gedämmte Deckenstirnseiten stellen vor allen an Altbauten übliche Wärmebrücken dar und können zu Tauwasser- und Schimmelpilzbildungen an der Innenseite führen.

Undichtheiten an Balkon, Flachdach oder an der Terrasse

Balkone, Flachdächer oder Terrassen müssen eine Abdichtung aufweisen. Diese Abdichtungen müssen die Anforderungen nach den Flachdachrichtlinien erhalten. Wenn solche Abdichtungen nicht fachgerecht hergestellt wurden, möglicherweise auch noch Löcher oder Beschädigungen vorliegen, dann kann an diesen Undichtigkeiten Wasser in das Gebäude eindringen.

Auch der Nutzer kann Wasserschäden verursachen

Außerdem können Wasserschäden, zum Beispiel durch auslaufende Waschmaschinen, Ge¬schirrspülmaschinen oder auslaufendes Wasser beim Baden oder Duschen, zu einer Durchfeuchtung von Bauteilen führen und günstige Bedingungen für Schimmelpilzbildungen erzeugen.

Was muss der Bewohner beachten?

Zu den baulich bedingten Feuchtequellen kommen zusätzlich auch Ursachen von Feuchtigkeitserscheinungen durch die Bewohner hinzu. Unter diese Faktoren fallen insbesondere

  • Unzureichende Heizung und Lüftung durch die Bewohner.
  • Ungünstige Möblierung ohne Hinterlüftung der Möbel.
  • Wäschetrocknung innerhalb der Wohnung.
  • Temperierung von kalten Räumen, beispielsweise Schlafzimmer oder unbeheizte Gästezimmer, mit warmer Luft aus der Wohnung.
  • Aufstellen von vielen und großen Pflanzen in der Wohnung.

Wie können Schimmelpilzbildungen verhindert werden?

Alle Maßnahmen gegen Schimmelpilzbildungen müssen darauf abzielen, die Feuchtigkeit an der Oberfläche oder innerhalb von Bauteilen zu reduzieren. Hierdurch wird den Schimmelpilzen ihre Lebensgrundlage entzogen. Das heißt immer: Wasser weg vom Bau!
Hierbei können zum einen bauliche Maßnahmen an dem Gebäude erforderlich werden, wie zum Beispiel der Einbau einer Abdichtung oder einer zusätzlichen Wärmedämmung, zum anderen kann es auch notwendig sein, dass die Bewohner Änderungen ihres Verhaltens durchführen. Hierunter ist vor allem zu verstehen, dass durch ausreichendes Heizen und Lüften für ein hygienisches Raumklima gesorgt wird.

In vielen Fällen überlagern sich auch nutzungsbedingte und baulich bedingte Ursachen, sodass dann bauliche Maßnahmen am Gebäude erforderlich werden, gleichzeitig aber auch die Bewohner ihre Art der Wohnungsnutzung ändern müssen.

 

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