Bauschaden an einer Dacheindeckung aus Bitumenschindeln

Bauschaden an einer Dacheindeckung aus Bitumenschindeln

Situation:

 An dem Flachdach einer Aussegnungshalle, welches an ein mit Bitumenschindeln gedecktes Schrägdach angrenzte, war ein Wasserschaden aufgetreten.

Das Flachdach hatte man etwa drei Jahre vorher mit Bitumenbahnen saniert. Das angrenzende Schrägdach mit Bitumenschindeln wies ein Alter von etwa 30 Jahren auf.

Da die Ursachen des Wassereintritts und der Feuchtigkeitserscheinungen nicht bekannt waren, musste eine Untersuchung des Flachdaches und des Schrägdaches durchgeführt werden.

 

Befunde:

Bitumenschindeln waren versprödet

Bei der Untersuchung des Schrägdaches zeigte sich, dass die Bitumenschindeln teilweise abrissen und ohne großen Kraftaufwand auseinander gebrochen werden konnten. Die Bitumenschindeln waren versprödet und wiesen keine feste und belastbare Materialstruktur mehr auf.

Weiter zeigte sich, dass die Bitumenschindeln mit Klammern aus Metalldraht befestigt worden waren. Eine Nagelung der Schindeln mit Nägeln, die breite Köpfe aufwiesen, lag nicht vor.

Unterhalb der neuen Flachdachabdichtung war ein etwa 4 cm hoher Bereich vorhanden, welcher vollständig mit Wasser gefüllt war.

 

Der Anschluss des Flachdachs an das Schrägdach war fehlerhaft

Das Flachdach wies einen Anschluss an das Schrägdach der Aussegnungshalle auf. Hier hatte man die bituminöse Dachabdichtung schräg auf die Oberseite der Bitumenschindeln hochgeführt und dort aufgeschweißt. Der obere Anschluss war zusätzlich mit einer Flüssigabdichtung aus Kunststoff überarbeitet worden.

Die Untersuchungen ergaben weiter, dass an dem Flachdach folgende Feuchtigkeitserscheinungen vorlagen:

Die Flachdachfläche am Anschluss zum Schrägdach wies unterhalb der neuen bituminösen Abdichtung Wasser auf. Dieses Wasser befand sich in der Grenzschicht zwischen der neuen und der ursprünglichen Abdichtung.

Beim Öffnen der Flachdachabdichtung im Bereich der Hochführung am Schrägdach der Aussegnungshalle lief nach außen Wasser heraus.

An den unter der Flachdachabdichtung vorliegenden Holzwerkstoffplatten waren Feuchtigkeitserscheinungen aufgetreten.

 

Ursachen des Wasserschadens:

Wasser lief vom Schrägdach aus in das Flachdach hinein

Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Wasser ausschließlich von der Oberseite her, das heißt vom Schrägdach aus, in die Dachkonstruktion und hinter die Abdichtung des Flachdachs eingedrungen war.

Die Bitumenschindeln waren am Ende ihrer Lebensdauer

Die Eindeckung des Schrägdachs der Aussegnungshalle mit Bitumenschindeln war etwa 30 Jahre alt. Die Bitumenschindeln waren versprödet und wiesen keine feste und belastbare Materialstruktur mehr auf. Diese Befunde zeigten, dass die Dichtheit des Schrägdaches nicht mehr sichergestellt war. Somit konnte im Bereich der Bitumenschindeln Wasser hinter die Dacheindeckung gelangen und von dort nach unten hinter die Flachdachabdichtung fließen.

Als Lebensdauer von Bitumenschindeln wird von verschiedenen Herstellern eine Spanne zwischen 20 Jahren und 35 Jahren angegeben. Dies bedeutet, dass die vorliegende Dacheindeckung aus Bitumenschindeln inzwischen das Ende ihrer üblichen Lebensdauer erreicht bzw. sogar schon überschritten hat.

Kritischer Anschluss des Flachdachs

Die Flachdachabdichtung war an der Schräge hochgeführt und auf der Oberseite der Bitumenschindeln verklebt worden. Hierbei handelte es sich um eine kritische Bauweise, da Wasser, welches an Undichtigkeiten des Schrägdachs unter die Bitumenschindeln gelangte, zwangsweise auch unter die Flachdachabdichtung geführt wurde und hier Feuchtigkeitsschäden hervorrufen konnte.

Unterlüftung des Schrägdachs fehlt

Entsprechend den Fachregeln für Dachdeckungen mit Bitumenschindeln muss zur Vermeidung von thermischen Überlastungen der Dachdeckung aus Bitumenschindeln bei wärmegedämmten Dachkonstruktionen eine Belüftung zwischen Dachschalung und Wärmedämmung angeordnet werden. Im vorliegenden Fall war eine solche Unterlüftung nicht vorhanden und am bestehenden Anschluss des Flachdachs an das Schrägdach war es konstruktionsbedingt auch nicht möglich, Zuluftöffnungen herzustellen.  Dies bedeutet dass an den Bitumenschindeln mit einer höheren thermischen Belastung gerechnet werden musste. Die fehlende Hinterlüftung hat zu der vorliegenden Versprödung der Bitumenschindeln beigetragen.

Befestigung der Bitumenschindeln nicht nach den Fachregeln ausgeführt

Nach den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks müssen Bitumenschindeln mit Flachkopfstiften befestigt werden, welche einen Kopfdurchmesser von mindestens 9 mm aufweisen. Im vorliegenden Fall wurden Klammern aus Metalldraht verwendet, welche diese Anforderungen nicht erfüllen. Hierdurch kann es zu einem Ausreißen der Befestigungsstellen kommen.

 

Folgerungen für die Praxis:

  •  Bitumenschindeln sollten regelmäßig gewartet werden und am Ende ihrer Lebensdauer rechtzeitig durch eine Neueindeckung ersetzt werden.
  • Außerdem müssen die in den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks beschriebenen technischen Regeln beachtet werden.
  • Anschlüsse von Flachdächern an Schrägdächer müssen geplant werden. Sie müssen so hergestellt werden, dass Undichtigkeiten am Schrägdach nicht zu einem Wasserschaden im Bereich des Flachdaches führen können.

Ein Kommentare zu Bauschaden an einer Dacheindeckung aus Bitumenschindeln

  1. Bei meinen Gartendach ist ein Riss vom First bis zur Traufe in den Schindeln.
    Kann man einfach neue Schindeln darüber verlegen oder besser eine Schweissbahn S5 verlegen?

Ein Kommentar, eine Frage - sehr gerne!

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